Nun lebe ich schon zwei Jahre auf der Burg Engelstein bei meinem Onkel.
Könnt ihr euch vorstellen, wie schwer der Abschied von
meinen Eltern war?

Ich sehe meine Eltern nur an Feiertagen, wenn wir in der Kirche einem Hochamt beiwohnen müssen. Danach kann ich ein paar Worte mit meiner Mutter wechseln.
Mit 14 Jahren, wenn ich meinen Onkel zu einem Turnier auf meine Heimatburg begleiten kann, werde ich wieder längere Zeit zu Hause verbringen.

Zeichnung: Manuela K. 3.bIch wohne zur Zeit mit anderen Pagen in einem Raum. Dort steht eine kleine Holztruhe, in der sich mein Gewand und mein kurzes Spielschwert befinden.
Dazwischen liegen kleine Stoffsäckchen, die mit Lavendel und anderen duftenden Kräutern gefüllt sind. So werden Motten und anderes Ungeziefer vertrieben. Ich schlafe auf einem Sack, auf dem ein grob gewebtes Leintuch liegt. Mit einem Tierfell kann ich mich zudecken.

Unsere Beleuchtung ist eine Fackel. Sie ist mit einem in Harz getränkten Lappen umwickelt. Wir nennen das auch Kienspan.

Da wir im Winter früh schlafen gehen, brauchen wir die Beleuchtung nicht oft. Wir sitzen manchmal beim Schachspiel und ich habe schon manches Spiel gewonnen. Ich bin stolz, dass ich in der Männerrunde dabei sein und den Geschichten der Knappen lauschen darf, die von Turnieren und Kämpfen handeln.

Im Winter ist es sehr kalt in unserem Raum. Wir haben keine Möglichkeit Feuer zu machen. Einen Kamin gibt es nur in den Kemenaten und im großen Rittersaal.

 

 

<font size="4" face="Arial, Helvetica, sans-serif">Foto: Am Tag lerne ich das Fechten und das Ringen. Ich pflege mein Pferd und habe schon recht gut Reiten gelernt.

Meine Aufgaben sind:

  • meinem Onkel die Waffen zu reichen
  • ihm bei Tisch den Wasser- oder Metbecher zu geben
  • den Festtagsbraten aufzuschneiden
  • beim Ankleiden behilflich zu sein
  • kleine Botengänge zu erledigen
  • und noch mehr ...

Ich muss nicht so gut Lesen, Schreiben und Rechnen lernen wie mein jüngerer Bruder, der für das Kloster als Mönch oder Priester bestimmt ist.

Bild: Was ist Was, Tessloff Verlag


Ich werde ein Ritter, deshalb muss ich vor allem mit Pfeil und Bogen umgehen können und wissen, wie man einen Jagdspeer gebraucht. Morgen darf ich auf die Jagd mitreiten. Ich bin neugierig, was mir mein Pflegevater zu tun gibt. Hoffentlich darf ich bald selbst Wild erlegen.

 

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© Volksschule Herzgasse 87, 1100 Wien, Info: vs10herz087k@m56ssr.wien.at | Autorinnen: Veronika Kasseroler, Elisabeth Achleitner